Höchst modern im alten Park auf Rügen

03. September, 2008 · Artikel drucken

Insel Rügen. Eichen, Linden, Kastanien, Amberbäume, Eschen, Erlen und andere Bäume im Pansevitzer Park sind 80 bis 230 Jahre alt. Alte wie auch ganz junge eint die akribische Beschriftung. Am Eingang des Parkes im Westen Rügens nahe der Kreisstraße von Gingst nach Bergen thront der Treppenturm der alten Ruine des gleichnamigen Gutshauses. Neu im Park sind kleine Schildchen an den Bäumen, welche die Namen Verstorbener oder solcher Menschen tragen, die dort einmal in einer Urne beigesetzt werden möchten. Denn der Park Pansevitz ist auch ein Friedwald. Einst der erste in Mecklenburg-Vorpommern. Das Recht, dort eine letzte Ruhestätte zu finden, erkauft man sich, anders als auf kirchlichen Friedhöfen, für 99 Jahre.

Bis ins Jahr 1230 hat der Park mit Verbindung zum Geschlecht Knyphausen in Kartitz und von Werseby in Boldevitz seine Wurzeln. Älteste Rüganer Geschlechter stammen hier ab. Durch eine raffinierte Konstruktion wurde das Land nachwendisch von Familie zu Knyphausen erworben, dem Verein Insula Rugia übergeben und von diesem in eine Stiftung überführt. So wurde in mühevoller Arbeit mit einem pensionierten Förster nicht nur rekonstruiert. Der Park konnte auch als Denkmal erhalten und erweitert werden. In Verbindung mit dem Betreiberverein Parkkultur Rügen wird das einst private Anwesen zunehmend öffentlich relevant. Nicht zuletzt dank Förderung durch Mittel aus dem Fonds Leader +.

Erstmalig kamen in diesem Jahr Freilandskulpturen von fünf Künstlern hinzu, die eine wohl einzigartige Kombination aus Weltlichkeit, Leben und Tod darstellen.

Parkkultur-Geschäftsführerin Annette Groß für den Verein Parkkultur zu Sinn und Zweck des Vereins: „Auf Rügen gab es einmal 213 Guts- u. Parkanlagen, von denen heute leider nur noch 96 Anlagen existieren. Einige davon wurden liebevoll wieder hergerichtet, andere sind verwildert, von Müll überlagert oder bewusst zersiedelt worden. Der Verein Parkkultur Rügen hat sich im Oktober 2005 am Ende eines Projektes von Insula Rugia e.V. gegründet. Sinn war der Aufbau eines Netzwerkes für historische Parkanlagen auf Rügen. Aufgabe ist, das einzigartige kulturelle Potenzial Rügens an ländlichen Gutsparken in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen, diese Parkanlagen zu erhalten und vielleicht gar wie hier zu rekultivieren. Derzeit betreut der Verein acht Parkanlagen, weitere Parkanlagen sollen in das Netzwerk integriert werden.“

Die Friedwald GmbH hat im Juli 2006 in Pansevitz den ersten in unserem Bundesland und einen von zwischenzeitlich 17 deutschen Friedwäldern eingerichtet. Einzigartig jedoch bleibt die Variante des öffentlichen Parks auf 36 Hektar. Erträge fließen anteilig wieder der Parkstiftung zu und tragen zum Erhalt bei: rund 70 Urnen sind zwischenzeitlich begraben und 150 Optionen auf Einzelbestattung oder solcher an einem Gruppenbaum bestehen. Kürzlich interessierte sich gar mit Prof. Woo-Hyuk Byun ein koreanischer Forstwissenschaftler in Vorbereitung des ersten Koreanischen Friedwaldes dafür. „Unsere Regierung möchte 30 Kilometer vor Seoul in einem Staatswald einen ersten Friedwald einrichten. Zum Jahresende soll die Eröffnung sein. Erste Baumbestattungen sind in Seoul schon vorgenommen worden“, bekundet der Wissenschaftler, beeindruckt von deutscher Parkkultur. Der in Frage kommende koreanische Wald müsse allerdings noch gepflegt werden, sagte Byun schmunzelnd. Mit Pansevitz überhaupt nicht zu vergleichen.

Förster Dani Neubeck betreut das Gelände als Park ebenso, wie Gäste von Bestattungen. Dazu gehört das Loch im Boden auf einem immaginären Kreis rund um beispielsweise eine Eiche. An diesem Tag schmückt er den Bestattungsplatz mit Eichenlaub. Auf einer Holzplatte wird gleich die Urne stehen, während der Förster im Hintergrund bleibt. „Meist denken sich die Angehörigen ein eigenes Ritual aus. Manche bringen auch einen Pastor mit. Und während die Trauergäste Abschied nehmen, kann es sein, dass ein paar Meter weiter ein Liebespaar unsere so genannte Liebesinsel besucht oder auch nur Kinder auf dem Gras spielen. „Wir hören zunehmend den Wunsch, dass Angehörige wieder einen Trauerplatz wollen“, begründet der Förster, warum anonyme Urnengräber oder Seebestattungen zu einem schweren Vermächtnis für die Hinterbliebenen führen.“

Ein paar Meter weiter steht Prof. Helmut Strasser. „Wir haben jetzt eben den Bescheid bekommen, dass wir endlich die Ruine sichern können“, so sein Statement als Vorsitzender der Parkstiftung. 110.000 Euro sollen insgesamt mit einem Zuschuss von 64.000 Euro aus Mitteln der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und Leader + investiert werden. Ein Aussichtsturm soll dann als weiteres Novum, versteckt im Treppenhaus der Ruine Platz, finden.

TIP:

Derzeit aktiv betriebene Parks im Verein Parkkultur auf Rügen sind:
Zirkvitz, Kartzitz, Boldevitz, Gobbin, Liddow, Pansevitz, Kubbelkow, Selitz.

Führungen Verein Parkkultur immer Freitags:
Tel. 03838-252255
Ansprechpartnerin:
Projektkoordinatorin Dipl.-Ing. Annette Groß
gross@parkkultur-ruegen.de

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