Peter Dolacinski – Urvater Rügener Fayencen
25. Mai, 2008 · Artikel drucken
Rund 20 Keramikerinnen und Keramiker leben und arbeiten heute überall verstreut auf der Insel Rügen. Von Stralsund aus die Insel betretend, am Eingangstor zu Rügen und nachdem der kleine Ort Rambin durchfahren ist, sieht der Ankömmling ein erstes Hinweisschild des Keramikers Peter Dolacinski (62). Die Werkstatt des Töpfermeisters liegt malerisch eingebettet zwischen Hünengräbern, Wald, Feldern und Wiesen hinter den „Neun Bergen“ von Rambin. Der Sage nach ein Ort voller Zauber und Magie. Hier entstehen die Rügener Fayencen mit ihrer typischen, kobaltblauen Bemalung auf seidenmatter, weißer Glasur.
Viele Töpferinnen sind durch die Werkstatt dieses „Rügener Keramikurgesteins“ geprägt worden. Haben sich gar hier ihr Rüstzeug für eigene Werkstätten erworben – auch auf Rügen. Und während die Thüringer Gesellin Nicole Schweinitzer (25) an der Scheibe dreht, erzählt Meister Dolacinski: „Es gab in den 70-er und 80-er Jahren auch in der ehemaligen DDR Tendenzen, den Städten zu entfliehen und aufs ‚Land‘ zu gehen. Mein erster Versuch eine eigene Keramikwerkstatt mit Freunden aufzubauen war in Partschefeld, einem kleinen Thüringer Bergdorf. Später konnte ich in den Unterlagen der Stasi lesen: „…die Ansiedlung des Töpfermeisters Dolacinski konnte erfolgreich verhindert werden!“
Zu DDR-Zeiten, erinnert sich Dolacinski, waren fünf oder sechs Töpfer auf der Insel ansässig.
Die Menschen standen auch nach Keramik Schlange. „Damit möglichst viele etwas bekamen, konnte ich jedem nur drei Artikel verkaufen. Werbung war nicht notwendig. Kein Schild stand an der Straße.“
Heute macht der Töpfermeister auf sich aufmerksam. Die Frage nach der Ortswahl beantwortet er mit „Zufall! Auf einer Wanderung mit Freunden 1981 durch diese Gegend schaute eine Frau aus einem Fenster der vier Häuser. Nach einem Gespräch fragte sie, ob ich nicht ihr Haus mit dem einliegenden Stall kaufen möchte? Sie müssten wegen Umzugs nach Samtens ihr Eigentum verkaufen, um eine Wohnungszuweisung zu erhalten. Das Land sollte entsiedelt werden.“
Ein Jahr dauerte es, bis er Eigentümer war. Weitere fünf Jahre, bis die Elektrik für den Ofen und die Umbauten standen. Seit dieser Zeit prägt seine Art der seidenmatten Fayencen die Gefäße. „Ich kam aus einem der letzten mit Holz feuernden Steinzeugbetriebe der DDR. Da auf dem Haus ein Schilfdach war, erübrigte sich wegen Feuergefahr diese Art des Brennens. Neuland war auch der Eigenbau des Elektroofens. Töpfe sollten entstehen, die ihre Spannung nicht aus der Zufälligkeit des Holzfeuers erhielten, sondern aus der milchig weißen, seidenmatten Glasur und der darauf angelegten, blauen Bemalung.“ Dieser nördliche, große Himmel, das blaue Meer, die unendlich weite Landschaft und dieses besondere Licht über allem fängt sich darin. Das ist die Rügener Fayence des Töpfermeisters Dolacinski.


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