Franzosen in luftigen Höhen am Rugard

05. April, 2008 · Artikel drucken

Bergen. Ob die sechs Franzosen aus der Nähe von Marseille wohl wissen, auf welch historischem Boden sie sich bewegen? Nahe das französischen Ambulatoriums oder auch nahe der Stelle, an der Waldemar Granzow im Roman „Der Strandvogt von Jasmund“ unruhig auf Magnus Brahe wartend auf und ab geht, während die Rügen beherrschenden Franzosen ihn als Staatsfeind suchen.

„Baptiste“ und seine fünf Freunde der Firma Arbre Aventure – Abenteuer auf Bäumen – aus Dijn‘ los Bains nahe Marseille sind jedoch in friedlicher Absicht auf dem Rugard. Wenngleich man sie nicht ohne weiteres sieht, nur französische Sprachbrocken über einem hört. Denn oben, nahe der Baumwipfel in bis zu 20 Metern Höhe klettern sie auf Plattformen, eben fertiggestellt von der Zimmerei René Witt aus Bad Doberan. Plattformen aus hellen Rundhölzern und Brettern, verklemmt mit Gewindestangen an Buchen, Eichen, Eschen und einigen Tannen.

Kletterwald Rügen im Bau„Völlig nagelfrei und schadlos für den Baum“, betont dann auch sofort Torsten Fleischer (39), durchaus im Bewusstsein, dass sein Vorhaben im ruhigen Rugardwald der Beobachtung unterliegt. Nicht alle lieben hier den Kletterwald. Den noch hat er es geschafft, zusammen mit der Bergenerin Ute Hermann (47) das Vorhaben auf einer Fläche von rund 25000 Quadratmetern nahe der Rodelbahn zu projektieren und jetzt auszuführen. „Es ist durch den Hang ein interessantes Bodenprofil, das von Kindern bis Erwachsenen mit Handicap alles zulässt.“ Und beide zeigen am nahezu fertiggestellten Kinder-Klettergarten das Prinzip. Immer gesichert, zusammen mit Betreuern, klettert der Gast in die Höhe und sucht sich je nach Schwierigkeitsgrad seine Route. Attraktionen sind dabei sicher solche Angebote wie ein sogenannter Tarzansprung über 18 Meter – gut gesichert, versteht sich. Was während des Sprungs vermutlich kaum weniger Kick nach sich ziehen wird.

„Mit vier bis fünf Angestellten und anfangs 10 bis 15 freiberuflich Beschäftigten wollen wir hier in vier Wochen probeweise loslegen“, sagt Torsten Fleischer, während oben ein eben mit einem Quad gespanntes Drahtseil durch Krampen an halbierte Rundhölzer als Distanzhalter zur Rinde des Baumes befestigt wird. „Vorne werden sie mit Spannschlössern gesichert und dann zum nächsten Baum geführt. Je nach Schwierigkeitsgrad sind unten Seile, Stege oder Rollen zum Laufen, oben die Führung für die Hände und die Sicherung für den Körper“, erläutert Fleischer. Über die Kosten möchten die beiden jedoch nichts sagen. „Es kursieren schon zu viele falsche Zahlen, sagt Ute Hermann.“ Rund 200 solcher Anlagen, 70 davon in Deutschland, sind von Arbre Aventures schon in deren reiner Klettertechnik entstanden. Was Torsten Fleischer als sehr umweltschonend für die Bäume bezeichnet. „Hebebühnen und andere Technik außer den Quads ist hier nicht notwendig.“

Drei Wochen soll die Seilinstallation nun benötigen, bis auf rund 1000 Metern Länge dann Parcours von bis zu 120 m Länge etwa 70 Elemente verbinden. Dort geht es ebenso langsam aufwärts, wie rasant an Rollen abwärts. Ausgebildete Höhenretter sorgen nach Angaben der Initiatoren auf fünf Schwierigkeitsgraden für Sicherheit. Und neben dem Freizeitspaß werben auch schon sogenannte Incentiv-Veranstalter damit, Teambildungsprozesse im Kletterwald Rügen durchzuführen.

Kommentare

2 Kommentare zu “Franzosen in luftigen Höhen am Rugard”

  1. Frank Helmschrott am 10. April 2008 um 09:00

    Erst vor wenigen Tagen kam im TV ein kurzer Bericht über den Kletterwald. Ein spannendes Projekt, das sicher viele Fans gewinnen wird.

  2. chessy am 12. Mai 2008 um 09:02

    Ist schon spannend, wie Wirtschaft funktioniert. Jahrelang hat das Thema auf Rügen niemanden interessiert. Dann entstehen zwei Kletter- oder Seilgärten parallel, feinden sich sofort an und ein dritter plant in Altefähr schon im Endstadium als Incentiv-Veransatlter. Muss jedoch sicherlich auch auf den Touristenmarkt zurückgreifen und geht damit auch in die Konkurren z zu den beiden anderen.

    Noch verrückter: Fachkreise gehen davon aus, dass insgesamt sieben Kletter- oder Seilprojekte in Arbeit sind. Dabei stehen solche mobilen Anlagen wie die der Surferschule für ihre Erlebnispädagogik in Dranske gar nicht zur Debatte.

    Da fragt sich ein denkender Mensch doch, ob die Banken keine Businesspläne mehr verlangen…..

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